WS 13/14

BLM Wintersemester 2013/14

THE SOUND OF ARCHITECTURE / HARMONIC SPACES

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Saskia Mayer, John Hopkins – Vessel

Vorstellung: 14.10.2013
Betreuung: wöchentlich/mittwochs o. n.Absprache
Betreuer: Prof.Dr.Ing. Petra von Both, Dipl.Ing Angelika Lückert, Dipl.Sz. Hendrik Vogel, Andreas Köhler (Produzent/Cellist), Dipl.Ing. Christian Tschersisch

Essay:

Die pythagoreische Harmonielehre wurde schon früh auf Bauwerke angewandt umso natürliche Proportionen und Harmonien herzustellen. Inwieweit ist das heute noch anwendbar und wie lassen sich von Musikstücken und Klängen Formen ableiten? Rhythmus, Takt, … sind Stichworte die sich in grafische Formen verwandeln lassen, im Zusammenhang aus ihnen entsteht eine neue Form.

Architektur ist so auch eine Aneinanderreihung von Formen in einer Form,
und wird auch erlebt in einer Aneinanderreihung von Situationen und Blickwinkeln.
Bei der Durchquerung vermittelt sich Raum als eine Folge optischer Eindrücke, als Bildsequenz.
Architektur wird im Vorbeigehen und Verweilen erlebt und bei jedem Stehenbleiben
erlebt man eine Form von “John Cager” Stille, die den jeweiligen Ort akustisch beschreibt.
Die Musik”, so Schönberg, ”ist eine Kunst, die sich in der Zeit abspielt. Aber die Vorstellung des Kunstwerks beim Komponisten ist davon unabhängig, die Zeit wird als Raum gesehen. Beim Niederschreiben wird der Raum in die Zeit umgeklappt.” . Mit dem aufkommen der bewegten Bilder wurden die bisherigen Vorstellungen von Raum und Zeit grundlegend transformiert, indem der Raum dynamisiert und die Zeit verräumlicht wurde.

“Architektur ist gefrorene Musik.” (Schopenhauer, 1788 -1860)
“everything we do is music” (John Cage)

Wir hören einen enormen hohen Frequenzbereich, einen Ausschnitt der Wirklichkeit, der etwa 10x größer ist als jener Ausschnitt den das Auge wahrnimmt. Das Ohr eines Jungen Menschen hört ganze 10 Oktaven, das Auge nimmt nur 1 Oktave wahr. Das Auge muss also schätzen. Was Harmonisch ist lässt sich also exakter mit dem Ohr bestimmen als mit dem Auge.

Die frühesten bekannten Instrumente, sind ca. 35 000 Jahre alt, Evolutionsforscher sind sich allerdings einig, dass die Musik schon viel länger zum Alltag des Menschen und seiner Vorfahren
gehört hat. Warum der Mensch im Laufe seiner Evolution musikalische Fähigkeiten erlangt hat ist unklar, u.a. gibt es die Theorie, dass der „Vogelgesang“ vom Menschen mimetisch nachgeahmt
wurde. Im Fernen Osten gibt es die uralte Tradition des Mantras, mehrere Laute oder Wörter die immer wieder wiederholt gesungen werden und als eine Form der Mediation gesehen wird.

Der Komponist John Cage (20.Jh) gilt als einer Pioniere der neuzeitlichen Musik, er war es
der Alltagsklänge in den Bereich der Musik erhob. An jedem Ort, zu jeder Zeit hören wir Geräusche,Klänge und Töne, die mit dem visuellen Erlebnis verknüpft werden. Wie Musik, Geräusche oder Klang wahrgenommen werden ist davon abhängig wo wir uns befinden. Rein physikalisch ist Klang davon abhängig welchen Schalleinflüssen er ausgesetzt ist. Demnach breitet sich Schall im freien Außenraum nur über den direkten Pfad von der Quelle zum Empfänger aus. Das Ohr hört ausschließlich den Direktschall, das heisst keinen Nachhall. Objekte die sich im Ausbreitungsfeld des Schalls befinden, beeinflußen den Weg des Schalls. Kehrt der Schall über viele Umwege und Reflexionen zum Ohr zurück, hört dieses in der Folge ein Nachklingen des ursprünglichen Signals. (Archithese)
Dieses Phänomen kennt man aus geschlossenen Räumen, Konzertsäle sind beispielsweise raumakustisch so gebaut, dass das Ohr mit einer möglichst vollständigen räumlichen Abdeckung von Schalleindrücken versorgt wird. Aber auch das Gegenteil ist bekannt, wir befinden uns demnach auch häufig in Räumen, in denen wir schlecht zuhören können, oder uns konzentrieren, da es uns die Raumakustik schwer macht, die Reflexionen des Schalls in ein ordentlich von unserem Ohr zu verarbeitendes Signal umzuwandeln.

Raumakustik ist seit der Antike ein Thema in der Architektur, betrachtet man dazu die ersten Amphitheater so wurden schon diese so gebaut, das auch aus einer größeren Distanz der Sprechende gut zu verstehen ist. Die Auseinandersetzung mit der Raumakustik hat sich bis heute
immer weiterentwickelt und moderne Musiksäle aber auch Tontechnik wurde immer mehr optimiert.

Aber nicht nur Schall und Raum stehen in einer engen Verbindung zueinander, sondern auch
Musik & Architektur haben eine lange Tradition, ausgehend von der pythagoräischen Harmonie- & Proportionslehre orientierten sich Architekten schon früh an der Musik um ihren Baumwerken harmonische Proportionen zu verleihen. Die harmonischen Verhältnisse wurden im Architekturentwurf auf Fassaden, Grundrisse und deren Verhältnis zur Raumhöhe angewendet. Es war für diese auch nicht ungewöhnlich, dass zu ihren Entwürfen oft Musiktheoretiker oder Maler als fachkundige Gutachter zu Rate gezogen wurden. Von Palladio bis Le Corbusier oder Xenakis und Daniel Libeskind, finden sich in den architektonischen Vorentwürfen, Herleitungen aus den Bereichen der Musik: Rhythmus, Melodien, Tonhöhen, etc…

Mit den modernen Gestaltungstechniken, hat sich auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Musik & Architektur verändert, musikalische Parameter können heute anders auf Entwürfe angewendet werden.

Gibt es demnach Richtlinien, Prinzipien oder Verfahren, mit Hilfe derer ein architektonisches Objekt, Gebäude „im musikalischen Sinn“ entworfen werden kann?

Dazu lässt sich grundsätzlich festhalten, dass der Entwurfsprozes bei Architekten und Komponisten auf einen persönlichen/künstlerischen Aussage oder Intention (Muse, Vision) beruht, die dann zum Konzept ausgearbeitet wird. Die Muse ist Grundlage aller Künste, also auch der Musik und der Architektur.

(Text: Hendrik Vogel)

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